Bist du ständig gestresst, obwohl eigentlich gar nichts Schlimmes passiert?
Eigentlich ist alles okay.
Das Studium läuft. Bei der Arbeit ist gerade viel los, aber wann ist das schon nicht so? Deine Beziehung läuft gut, deine Freundinnen sind für dich da und wenn dich jemand fragen würde, ob gerade etwas wirklich Schlimmes in deinem Leben passiert, müsstest du vermutlich sagen: nein.
Und trotzdem bist du ständig gestresst.
Du wachst morgens auf und gehst gedanklich schon durch, was heute alles ansteht. Wenn du nach Hause kommst, bist du erschöpft und möchtest eigentlich nur deine Ruhe. Beim Abendessen denkst du schon an morgen und wenn dein Partner dann noch eine eigentlich harmlose Frage stellt, reagierst du genervter, als du möchtest.
Vielleicht fragst du dich deshalb manchmal: Warum bin ich eigentlich so gestresst? Ich habe doch gar keinen Grund dazu.
Die Antwort könnte sein: Es braucht keine grosse Krise, damit dir dein Alltag auf Dauer zu viel wird.
Stress entsteht nicht nur, wenn etwas Schlimmes passiert
Bei Stress denken wir schnell an die offensichtlichen Belastungen: eine Trennung, Konflikte, finanzielle Sorgen, eine schwierige Prüfung oder einen Job, der uns völlig überfordert.
Aber auch ein Leben, das auf dem Papier ziemlich gut aussieht, kann anstrengend sein.
Vielleicht studierst du, arbeitest nebenbei, machst regelmässig Sport, pflegst deine Freundschaften und möchtest auch für deine Beziehung Zeit haben. Und eigentlich magst du all diese Dinge.
Das Problem ist also gar nicht unbedingt, was du machst.
Es kann auch daran liegen, wie viel davon gleichzeitig stattfindet – und mit welchem Anspruch du es machst.
Die Seminararbeit soll nicht einfach nur fertig werden, sondern richtig gut. Wenn du Sport machst, möchtest du dein Training auch durchziehen. Wenn du dich mit einer Freundin triffst, willst du präsent sein. Und wenn du einen freien Nachmittag hast, fällt dir bestimmt noch etwas ein, das du „endlich mal erledigen könntest“.
So entsteht ein Alltag, in dem objektiv vielleicht gar nichts Dramatisches passiert – dein Kopf aber trotzdem kaum noch die Information bekommt: Gerade ist nichts zu tun.
„Aber ich kriege doch alles hin“
Genau das macht es manchmal so schwierig, die eigene Überlastung ernst zu nehmen.
Denn vielleicht funktionierst du noch ziemlich gut.
Du gehst zur Arbeit. Du bestehst deine Prüfungen. Du antwortest auf Nachrichten. Du machst Sport. Du hältst deine Deadlines ein.

Von aussen würde vermutlich niemand denken: Die ist gerade völlig überfordert.
Vielleicht denkst du das nicht einmal selbst.
Stattdessen bemerkst du kleinere Veränderungen.
Du hoffst insgeheim, dass deine Freundin das Treffen am Samstag absagt, weil du endlich einmal einen Abend für dich möchtest.
Du wirst schneller gereizt.
Du kannst dich schlechter konzentrieren.
Du freust dich kaum noch auf Dinge, auf die du dich eigentlich freuen möchtest.
Oder du sitzt am Sonntagabend auf dem Sofa und bist innerlich schon bei Montagmorgen.
Das können Anzeichen dafür sein, dass du über längere Zeit mehr Energie verbrauchst, als du wieder zurückbekommst.
Vielleicht kommt der Druck gar nicht nur von aussen
Ein Satz, den ich in meinen psychologischen Beratungen sinngemäss häufig höre, ist:
„Eigentlich erwartet gar niemand etwas von mir. Aber ich halt schon.“
Das kann ziemlich frustrierend sein.
Denn wenn der Chef unrealistische Erwartungen hat, kann man zumindest auf den Chef sauer sein. Schwieriger wird es, wenn man selbst diejenige ist, die denkt:
Ich könnte das noch besser machen.
Andere schaffen das doch auch.
Ich sollte meine Zeit sinnvoller nutzen.
Ich kann doch jetzt nicht einfach Pause machen.
Wenn ich es mache, dann richtig.
Solche inneren Ansprüche können grundsätzlich etwas Gutes sein. Sie können dich motivieren, zuverlässig zu sein, Ziele zu verfolgen und gute Leistungen zu erbringen.
Schwierig wird es, wenn sie immer unflexibler werden.
Wenn aus „Ich möchte das gut machen“ ein „Es muss richtig gut werden“ wird.
Oder aus „Ich bin gerne zuverlässig“ irgendwann „Ich darf niemanden enttäuschen“.
Dann kann hoher Leistungsdruck entstehen, obwohl von aussen vielleicht gar niemand besonders viel von dir verlangt.
Wenn sogar Erholung anstrengend wird
Vielleicht kennst du das auch: Du weisst längst, dass du mehr Pausen machen solltest.
Also trägst du Sport in den Kalender ein. Nimmst dir vor, früher schlafen zu gehen. Versuchst, am Abend noch eine Atemübung zu machen.
Und plötzlich besteht dein Dienstag aus:
Uni. Lernen. Einkaufen. Sport. Gesund kochen. Freunde treffen. Atemübung. Früh schlafen.
Herzlichen Glückwunsch – deine Selbstfürsorge hat jetzt auch eine To-do-Liste.
Das Problem ist deshalb häufig nicht fehlendes Wissen. Die meisten Menschen wissen ziemlich gut, dass Schlaf, Bewegung und Pausen wichtig sind.
Viel schwieriger ist die Frage: Kannst du dir erlauben, das zu tun, was du gerade brauchst – auch wenn dafür etwas anderes liegen bleibt?
Was kannst du tun, wenn du ständig gestresst bist?
Wenn du merkst, dass du immer gestresst bist, würde ich nicht als Erstes versuchen, deinen Alltag komplett umzukrempeln. Beobachte ihn zunächst.
Wann steigt deine innere Unruhe besonders an? Was geht dir in diesen Situationen durch den Kopf? Gibt es Momente, in denen du eigentlich eine Pause bräuchtest, aber trotzdem weitermachst?
Und vor allem: Welche Regeln stellst du für dich selbst auf?
Vielleicht merkst du beispielsweise: Ich mache erst Feierabend, wenn alles erledigt ist.
Dann ist das Problem nicht, dass du nicht weisst, wie man sich erholt. Das Problem ist möglicherweise, dass „alles erledigt“ in deinem Leben praktisch nie eintritt.
Ein erster kleiner Schritt könnte deshalb sein, an einem Abend trotzdem Feierabend zu machen. Nicht erst dann, wenn du dich dabei vollkommen entspannt fühlst. Sondern gerade auch einmal mit dem Gedanken: Eigentlich könnte ich noch …
Genau dort beginnt häufig Veränderung.
Warte nicht, bis dein Körper die Entscheidung für dich trifft
Viele leistungsorientierte Menschen sind erstaunlich gut darin, lange durchzuhalten.
Das ist grundsätzlich eine Stärke.
Sie kann aber auch dazu führen, dass du deine Grenzen erst dann ernst nimmst, wenn sie sich nicht mehr so leicht ignorieren lassen.
Vielleicht schläfst du schlechter. Hast häufiger Kopf- oder Bauchschmerzen. Bist ständig angespannt. Kannst dich schlechter konzentrieren. Wirst schneller emotional oder merkst, dass du immer häufiger weinst.
Solche Stresssymptome sollte man nicht einfach mit „Ist halt gerade viel los“ abtun, wenn sie länger anhalten.
Du musst nicht warten, bis aus dauerhaftem Stress eine ernsthafte psychische oder körperliche Belastung wird.
Du musst nicht weniger ambitioniert werden
Wenn du ständig gestresst bist, lautet die Lösung nicht automatisch: Mach weniger.
Ich weiss selbst, wie wenig hilfreich dieser Satz sein kann.
Vielleicht möchtest du viel erreichen. Vielleicht macht dir dein Studium Spass. Vielleicht liebst du deinen Beruf und bist gerne die Person, auf die andere sich verlassen können.
Das alles musst du nicht loswerden.
Vielmehr geht es darum, wieder etwas flexibler zu werden.
Zu merken, wann 80 % wirklich reichen. Eine Pause zu machen, obwohl noch etwas auf der Liste steht. Einen freien Abend nicht sofort mit dem nächsten Projekt zu füllen. Und deine eigenen Bedürfnisse genauso ernst zu nehmen wie deine Verpflichtungen.
Denn das Ziel ist nicht, dass du plötzlich tiefenentspannt durchs Leben läufst und dir alles egal ist.
Du darfst weiterhin ambitioniert sein. Nur sollte dein Leben nicht dauerhaft anstrengender sein, als es sein müsste.
Möchtest du etwas ändern, fällst aber immer wieder in die alten Muster zurück?
Dann kann eine psychologische Beratung helfen.
In meinen Online-Beratungen schauen wir gemeinsam an, was deinen Stress im Alltag aufrechterhält – beispielsweise hohe Erwartungen an dich selbst, Perfektionismus oder das Gefühl, immer produktiv sein zu müssen. Und vor allem schauen wir, wie du diese Muster Schritt für Schritt flexibler gestalten kannst, ohne deine Ambitionen über Bord zu werfen.
Du musst dafür nicht erst an einem Punkt sein, an dem gar nichts mehr geht.
Manchmal reichen bereits wenige Gespräche, um etwas zu verändern.



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