top of page

Psychologische Beratung oder Psychotherapie – was ist der Unterschied?

Laura Trinkler
28. Sept.
5 Min. Lesezeit

Vielleicht geht es dir gerade nicht richtig schlecht.


Aber eben auch nicht richtig gut.


Du bist seit Monaten gestresst, kannst nach der Arbeit kaum abschalten oder merkst, dass deine hohen Ansprüche an dich selbst dir zunehmend Energie rauben. Eigentlich würdest du gerne mit jemandem darüber sprechen.


Und dann kommt ziemlich schnell die Frage: Brauche ich dafür wirklich eine Psychotherapie?


Vielleicht denkst du sogar: So schlimm ist es bei mir doch gar nicht. Andere brauchen einen Therapieplatz viel dringender.


Genau zwischen «Ich komme schon irgendwie klar» und «Ich brauche Therapie» gibt es aber noch etwas anderes: psychologische Beratung.


Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen psychologischer Beratung und Psychotherapie – und woher weisst du, was für dich sinnvoll ist?


Laura Trinkler sitzt am Laptop und führt eine Online-Beratung durch

Was ist psychologische Beratung?


Psychologische Beratung kann dich unterstützen, wenn du gerade mit einer belastenden Situation oder bestimmten Verhaltens- und Denkmustern kämpfst und etwas verändern möchtest.


Du musst dafür nicht zwingend psychisch krank sein.


Vielleicht funktionierst du nach aussen sogar ziemlich gut. Du gehst zur Uni oder zur Arbeit, triffst deine Freunde, machst Sport und bekommst deinen Alltag hin.


Gleichzeitig merkst du aber:

Ich bin eigentlich ständig angespannt.

Meine Gedanken kreisen dauernd um die Arbeit.

Ich setze mich selbst extrem unter Druck.

Ich weiss, dass ich mehr Pausen bräuchte – aber ich mache sie trotzdem nicht.

Ich möchte nicht warten, bis es mir irgendwann richtig schlecht geht.


Genau bei solchen Themen kann eine psychologische Beratung sinnvoll sein.


Dabei geht es nicht nur darum, ein bisschen über die vergangene Woche zu sprechen. In meinen Beratungen schauen wir beispielsweise gemeinsam an, welche Gedanken und Muster deinen Stress immer wieder verstärken und wie du im Alltag anders damit umgehen kannst.


Das können sehr kleine Veränderungen sein: eine Pause machen, obwohl noch nicht alles erledigt ist. Eine Aufgabe einmal nur «gut genug» erledigen. Oder überhaupt erst merken, dass du gerade eine Grenze überschreitest, bevor du völlig erschöpft bist.


Was ist Psychotherapie?


Psychotherapie dient insbesondere der Behandlung psychischer Erkrankungen und wird von entsprechend qualifizierten Fachpersonen durchgeführt.


Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben nach ihrem Psychologiestudium eine umfangreiche akkreditierte Weiterbildung in Psychotherapie absolviert. Wer Psychotherapie in eigener fachlicher Verantwortung ausübt, benötigt in der Schweiz zudem eine entsprechende kantonale Bewilligung.


Psychotherapie kann beispielsweise dann angezeigt sein, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt oder vermutet wird und eine entsprechende diagnostische Abklärung und Behandlung notwendig ist.


Wichtig ist dabei: Psychotherapie ist nicht einfach die „intensivere Version“ einer psychologischen Beratung.


Sie hat einen anderen Behandlungsauftrag und unterliegt entsprechenden gesetzlichen und fachlichen Anforderungen.


Psychologische Beratung oder Psychotherapie: Wo liegt der Unterschied?


Vielleicht hilft ein einfaches Beispiel:

Stell dir zwei Studentinnen vor.

Beide setzen sich stark unter Druck.

Die erste merkt seit einiger Zeit, dass ihr Studium immer mehr Raum einnimmt. Sie möchte überall gute Leistungen bringen, macht kaum Pausen und kann am Abend schlecht abschalten. Sie funktioniert aber grundsätzlich gut und möchte lernen, anders mit ihren hohen Ansprüchen und ihrem Stress umzugehen.

Für sie kann eine psychologische Beratung eine passende Anlaufstelle sein.


Bei der zweiten Studentin bestehen möglicherweise zusätzlich ausgeprägte psychische Beschwerden, die auf eine psychische Erkrankung hindeuten, wie z. B. starke Schlafprobleme, depressive Symptome oder immer stärker werdende Ängste, die sie im Alltag einschränken und eine entsprechende Abklärung und Behandlung benötigen.

Dann wäre eine Psychotherapie beziehungsweise zunächst eine fachliche Abklärung sinnvoller.


Die Grenze ist in der Realität natürlich nicht immer so sauber.

Und genau deshalb musst du diese Entscheidung auch nicht bereits perfekt getroffen haben, bevor du dir Hilfe holst.


„Aber mir geht es doch noch gar nicht so schlecht“


Dieser Gedanke ist besonders wichtig.


Denn viele Menschen haben eine ziemlich hohe Schwelle dafür, wann sie sich psychologische Unterstützung «erlauben».


Solange sie noch zur Arbeit gehen, Prüfungen schreiben und irgendwie funktionieren, denken sie: Es geht ja noch.


Gerade leistungsorientierte Menschen können allerdings ziemlich lange funktionieren, obwohl es ihnen dabei längst nicht mehr besonders gut geht.


Vielleicht merkst du, dass du schneller gereizt bist. Dass du kaum noch Energie für Freunde hast. Dass du dich auf Dinge nicht mehr richtig freust. Oder dass du am Sonntagabend bereits völlig angespannt bist, weil du gedanklich die nächste Woche durchgehst.


Du musst nicht erst warten, bis gar nichts mehr geht.


Psychologische Unterstützung kann auch bedeuten, früh hinzuschauen, bevor aus einer Belastung ein grösseres Problem wird.


Wann kann psychologische Beratung sinnvoll sein?


Psychologische Beratung kann beispielsweise passen, wenn du grundsätzlich deinen Alltag bewältigen kannst, aber bei einem bestimmten Thema nicht weiterkommst.


Vielleicht möchtest du lernen, mit Stress anders umzugehen. Deine hohen Ansprüche etwas flexibler gestalten. Dich weniger mit anderen vergleichen. Besser Grenzen setzen. Deine eigenen Bedürfnisse ernster nehmen. Oder verstehen, warum du trotz Erschöpfung einfach nicht aufhören kannst, weiterzumachen.


Manchmal braucht es dafür gar keine jahrelange Begleitung.


Bei mir gibt es deshalb beispielsweise keine vorgeschriebene Anzahl Sitzungen. Nach einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, was gerade sinnvoll ist.


Manche Klientinnen buchen bereits am Ende der Sitzung die nächste, andere möchten das Besprochene erst einmal im Alltag ausprobieren.


Psychologische Beratung darf niederschwellig sein.

Du musst nicht beweisen, dass dein Problem gross genug ist.


Wann ist eine Psychotherapie sinnvoller?


Wenn deine Beschwerden stärker ausgeprägt sind, länger anhalten, deinen Alltag deutlich beeinträchtigen oder Hinweise auf eine psychische Erkrankung bestehen, sollte fachlich abgeklärt werden, ob eine Psychotherapie die passendere Unterstützung ist.


Auch wenn du selbst überhaupt nicht einschätzen kannst, was gerade mit dir los ist, ist es sinnvoll, dir professionelle Hilfe zu holen, statt lange alleine herumzurätseln.


Und eine Entscheidung für Psychotherapie bedeutet nicht, dass du «kränker» oder weniger belastbar bist als jemand, der eine Beratung nutzt.


Es bedeutet schlicht, dass du die Unterstützung bekommst, die zu deiner aktuellen Situation passt.


In der Schweiz kann psychologische Psychotherapie unter bestimmten Voraussetzungen über die obligatorische Krankenpflegeversicherung abgerechnet werden; dafür braucht es unter anderem eine ärztliche Anordnung und zugelassene Leistungserbringende. Die Grundversicherung vergütet dabei Leistungen bei Krankheit.


Und was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?


Das ist vielleicht die beruhigendste Antwort: Du musst die Grenze nicht selbst diagnostizieren können.


Wenn du dich für eine psychologische Beratung entscheidest und sich im Gespräch zeigt, dass eine Psychotherapie langfristig sinnvoller wäre, sollte eine verantwortungsvolle Fachperson das mit dir besprechen.


So handhabe ich es auch in meiner eigenen Arbeit.


Wenn ich merke, dass die Beschwerden einer Klientin über den Rahmen meiner psychologischen Beratung hinausgehen und eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll wäre, spreche ich das offen an. Falls nötig, kann die Beratung überbrückend begleiten, während sie nach einem geeigneten Therapieplatz sucht.


Mein Ziel ist nicht, dass möglichst jede Person bei mir bleibt.

Mein Ziel ist, dass sie die Unterstützung bekommt, die sie braucht.


Du darfst dir Unterstützung holen, bevor es richtig schlimm wird


Vielleicht liest du diesen Artikel, weil du eigentlich schon länger denkst: So wie gerade möchte ich nicht weitermachen.


Aber gleichzeitig gibt es diese zweite Stimme: Für eine Psychologin geht es mir doch noch viel zu gut.


Genau dann kann psychologische Beratung eine Möglichkeit sein.


Nicht erst, wenn dein Körper irgendwann die Reissleine zieht. Nicht erst, wenn du gar nicht mehr arbeiten kannst. Und auch nicht erst, wenn du selbst bereits genau benennen kannst, was eigentlich dein Problem ist.


Manchmal reicht als Ausgangspunkt: Ich funktioniere zwar noch – aber ich merke, dass mich mein Alltag mehr Kraft kostet, als er sollte.


Damit kann man anfangen.


Wenn du herausfinden möchtest, ob meine psychologische Online-Beratung zu deinem Anliegen passt, kannst du zunächst ein kostenloses 15-minütiges Kennenlerngespräch buchen. Dort erzählst du mir, was dich gerade beschäftigt, ich erkläre dir, wie ich arbeite, und wir schauen gemeinsam, ob eine Beratung für dich passen könnte.

 
 
 

Kommentare


bottom of page